Datenschutz

DSGVO für Steuerberater: StBerG und Mandantendaten

DSGVO Steuerberater 2026: § 57 StBerG Verschwiegenheit, § 203 StGB, DATEV, Belegtransfer, Cloud, Aufbewahrung — Datenschutz für Steuerkanzleien.

In einem Satz. Steuerberater verarbeiten hochsensible wirtschaftliche und persönliche Mandantendaten unter den parallelen Pflichten der DSGVO, der berufsrechtlichen Verschwiegenheit nach § 57 Abs. 1 StBerG und § 9 BOStB sowie der strafrechtlichen Geheimhaltung nach § 203 StGB — wobei die Cloud-basierten DATEV-Lösungen Standardinfrastruktur sind und dennoch saubere AVV- und Schweigepflichtverpflichtungen verlangen.

Steuerberater sind nach § 203 StGB klassische Berufsgeheimnisträger. Wie bei Anwälten gilt seit der 2017er-Reform: IT-Auslagerung erfordert formale Schweigepflichtverpflichtung der Dienstleister-Mitarbeiter. Steuerberaterkammer (StBK) übt berufsrechtliche Aufsicht, LDA datenschutzrechtliche. Siehe BfDI.

Wichtige Punkte

  • Dreifachpflicht: DSGVO, § 57 StBerG, § 203 StGB.
  • DATEV-Cloud-Lösungen erfordern AVV + § 203 Abs. 4 StGB-Verpflichtung.
  • Belegtransfer (Unternehmen-Online, DUO) ist Standard, mit DSGVO-Hinweisen für Mandanten.
  • 10-jährige Aufbewahrungspflicht für Buchführungsunterlagen (§ 147 AO).
  • DSB-Pflicht ab 20 Personen mit automatisierter Verarbeitung.

1. Rechtsgrundlagen

Verarbeitung Rechtsgrundlage
Mandatsvertrag Art. 6 Abs. 1 lit. b
Steuererklärungen Art. 6 Abs. 1 lit. b + lit. c
Lohnabrechnung Art. 6 Abs. 1 lit. b + lit. c (Sozialgesetze)
Belegarchivierung Art. 6 Abs. 1 lit. c (AO, HGB)
Marketing Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a)

2. Verschwiegenheitspflicht § 57 StBerG

Steuerberater muss “über alles, was ihm in beruflicher Eigenschaft anvertraut wird, Verschwiegenheit bewahren”. Erfasst:

  • Mandatsdaten
  • Geschäftszahlen
  • Privatsphäre der Mandanten
  • Mandatsverhältnis selbst

Berufsrechtliche Sanktionen StBK: Rüge, Geldbuße bis €25.000, Berufsverbot.

3. § 203 StGB: Strafbarkeit

Wie bei Anwälten: Offenbarung fremder Geheimnisse durch Steuerberater bis 1 Jahr Freiheitsstrafe. § 203 Abs. 3 StGB: Mitwirkende Personen zulässig mit Schweigepflichtverpflichtung. § 203 Abs. 4: schriftliche Verpflichtung Pflicht.

4. DATEV als Branchen-Infrastruktur

DATEV eG ist Genossenschaft und faktischer Branchenstandard. Datenschutzaspekte:

  • DATEV ist Auftragsverarbeiter — AVV erforderlich
  • Schweigepflichtverpflichtung der DATEV-Mitarbeiter (DATEV-Standard)
  • Datenstandort Deutschland (Rechenzentren Nürnberg)
  • C5-Testat vorhanden
  • ISO 27001-Zertifizierung

5. Unternehmen-Online und Belegtransfer

DATEV Unternehmen Online (DUO) ermöglicht Belegtransfer Mandant → Kanzlei. Datenschutzpflichten:

  • Information des Mandanten (Art. 13 DSGVO)
  • AVV zwischen Mandant und Steuerberater (wenn Mandant Verantwortlicher!)
  • Verschlüsselte Übertragung
  • Berechtigungsmanagement

6. Lohnbuchhaltung

Lohnabrechnung verarbeitet:

  • Stammdaten (auch Sozialversicherungsnummer, Religion, Kinder)
  • Bankverbindung
  • Gehaltsdaten
  • Krankheits- und Fehlzeiten

Rechtsgrundlage: Art. 6 Abs. 1 lit. c (SGB, EStG, LStDV). Aufbewahrung: 6 Jahre für Lohnunterlagen.

7. IT-Dienstleister und Cloud (außer DATEV)

Bei alternativen Lösungen (Addison, lexoffice, taxpool, Microsoft 365) gleiche Anforderungen:

  • AVV nach Art. 28 DSGVO
  • § 203 Abs. 4 StGB-Schweigepflichtverpflichtung
  • EU-Datenstandort
  • TR-02102-konforme Verschlüsselung

Siehe AVV-Muster, BSI TR-02102.

8. Aufbewahrungsfristen

Dokument Frist Grundlage
Bücher, Inventare, Bilanzen 10 Jahre § 147 Abs. 1 Nr. 1 AO
Buchungsbelege 10 Jahre § 147 Abs. 1 Nr. 4 AO
Geschäftskorrespondenz 6 Jahre § 147 Abs. 1 Nr. 2-3 AO
Lohnunterlagen 6 Jahre § 41 Abs. 1 EStG
Handakte Steuerberater 7 Jahre § 66 StBerG

Bei laufenden Außenprüfungen Ablaufhemmung.

9. Mandanteninformation und Auskunftsrecht

Mandant hat Anspruch nach Art. 15 DSGVO. Praktische Umsetzung:

  • Kopien der Steuererklärungen (ohnehin Pflicht nach § 66 StBerG)
  • Korrespondenz mit Finanzamt
  • Buchhaltungsdaten

Konflikte: Wenn Belege Geheimnisse Dritter enthalten (Lieferanten, Mitarbeiter), Schwärzung erforderlich.

10. Datenpannen

Typische Vorfälle:

  • Fehlversendung von Steuerbescheiden
  • USB-Stick mit Mandantendaten verloren
  • E-Mail an falschen Empfänger
  • Ransomware-Angriff auf Kanzlei (sektorweit zunehmend)

Meldepflicht 72h an LDA, ggf. Mandanteninformation. Bei DATEV-Vorfällen Information durch DATEV.

11. Sanktionsbeispiele

Fall Sanktion
Steuerberater (offener FTP-Server) €20.000 LDA
Sozietät (E-Mail-Phishing erfolgreich, kein MFA) €45.000
Lohnbuchhaltungs-Dienstleister (USB-Stick) €15.000

12. Tool-Unterstützung

Legiscope bildet Mandanten-VVT, DATEV-AVV, Schweigepflichtverpflichtungen und Aufbewahrungsfristen-Tracking nach AO/StBerG ab.

Fazit

Steuerberater haben mit DATEV einen Branchenstandard, der vieles vereinfacht — aber nicht alles. Wer die § 203-StGB-Verpflichtung der eigenen IT-Dienstleister oder Mitarbeiter vergisst, riskiert mehr als ein DSGVO-Bußgeld: persönliche Strafbarkeit.

FAQ

Darf ich DATEV-Cloud nutzen?

Ja, mit DATEV-AVV (Standardvertrag verfügbar) und Schweigepflichtverpflichtung der DATEV-Mitarbeiter (im Standard enthalten). EU-Standort.

Brauche ich einen Datenschutzbeauftragten?

Ab 20 Personen mit automatisierter Verarbeitung. Bei spezieller Mandantschaft (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte als Mandanten) ggf. früher.

Welche Aufbewahrungsfrist für Mandanten-Handakten?

7 Jahre nach Ende des Mandats (§ 66 StBerG), bei laufenden Außenprüfungen Ablaufhemmung — also faktisch oft länger.

Wer ist Verantwortlicher bei Lohnbuchhaltung?

Der Mandant (Arbeitgeber) ist Verantwortlicher, der Steuerberater ist Auftragsverarbeiter — AVV mit Mandant erforderlich.

E-Mail mit Mandantendaten verschlüsseln?

TLS-Server-Verschlüsselung Pflicht. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung empfohlen bei sensiblen Inhalten (z.B. Steuerstrafsachen, Großmandate).

Legiscope automates this for you

Stop doing compliance manually. Legiscope's AI handles ROPA creation, DPA audits, and gap analysis — in minutes, not weeks.

Start free trial
TD
Written by
Fondateur de Legiscope et expert RGPD

Docteur en droit de l'Université Panthéon-Assas (Paris II), 23 ans d'expérience en droit du numérique et conformité RGPD. Ancien conseiller de l'administration du Premier ministre sur la mise en œuvre du RGPD. Thiébaut est le fondateur de Legiscope, plateforme de conformité RGPD automatisée par l'IA.

View full author profile →